SCHERRT MI NED FORTGEHEN OIDA

Wir wachsen auf mit dem Gedanken, wir wären die Größten. Wir trinken in der Hauptschule mitgebrachten Alkohol, schleichen uns aus der Schule um heimlich mit vierzehn eine zu rauchen. Zu was entwickeln wir uns. Zu einer Art Aufstand, eine Art Widerspruch in sich. Fangen an früh fort zu gehen, sitzen schon unter der Altersgrenze in Lokalen und trinken Tequila, um besoffen nachhause zu torkeln, Tags zu ziehen. Ich rieche die Luft, als wäre es gestern gewesen.

Schule ist egal. Hauptsache ich treffe alle meine Freunde später im Stadtpark. Wir sitzen rum, lästern und trinken Mischungen aus Plastikflaschen, in denen einst Mineralwasser floss. Hast du ihr Make-Up gesehen? Sieht fürchterlich aus. Die hat ned ernsthaft was mit erm oder?

 

Wir verbringen unsere Sommer im Stadtpark, finden uns stets wieder um irgendwann ganz weg zu bleiben – und wieder zu kommen. Es ist wie ein Schwarzes Loch. Damals nur blöd rum gesessen, jetzt nicht älter geworden. Was ist denn heute nochmals im Parkhouse? Aber es ist so klein, oida…

Regen uns eloquent und penetrant über Jugendfloskeln auf, um sie selbst zu verwenden, sei es ironisch oder ehrlich. Nachdem wir uns mehrmals von den Bollwerk Spritzern voll gekotzt haben, und öfters die Treppen beim Music House hinauf statt hinunter gefallen sind, widmen wir uns Loft, Postgarage und co.

Zwischen Psychedelischer Goa Musik, Techno, House und Hardstyle werde ich mir nicht ganz sicher, auf welche Beziehung ich mich einlassen soll, und erkunde schlussendlich das Uni-Viertel. Das Mekka der Fettn, und willigen Frauen. Bloß jetzt nicht falsch verstehen. Fettn= Rausch.

So wiederholt sich unser Exzess des Ausgehens. Wir bewegen uns fort, um uns über den viel zu teuren Eintritt im Dom, oder in der Postgarage aufzuregen. Finden den Bunker der einst dass Volt, und noch viel früher das Loft war viel zu überladen und „Giftler mäßig“, sitzen aber selbst dann mit der Wasser Flasche auf der Seite und freuen uns über die schnelle Musik.

 

Und so landen wir zuhause in großen Runden, besoffen und haben schlussendlich „kan scherra“ mehr wegzugehen. Scherrt mi fix dafür fünfzehn Euro zu zahlen, und solche Aussagen. Hängen hinter Wänden bis acht in der Früh und reden, trinken abschließend Tee und verabschieden uns in den Morgen. Gehst du Rave in the cave? Ja fix oida.

 

4 Responses to “SCHERRT MI NED FORTGEHEN OIDA

  • *als jedes We raus ..

  • schoen zusammengefasst.

    interessant find was diese negativspirale eigentlich am laufen haelt? kann ja nicht sein das unsere generation ihr halbes geld beim fortgehn rausschmeisst obwohl keiner spass dran hat?

    den gedanken koennen imho sehr viele leute nachvollziehen, jetzt gehts darum warum das so is und wie wir das verbessern!

    • Ich für meinen Teil halte mich konsequent fern von Frühbar – Postgarage – Volt usw .. Außer es ist echt was das mich wirklich Interessiert .. Wie Auftritte von Rappern usw – Quantität statt Qualität – besser im Sommer aufs Peal – Ozora – Burning Mind und guten Sachen die man auch aushält wenn man nüchtern ist .. also jedes WE raus und es dannach bereuen ..

      Wenn man sich dicht machen muss damit es überhaupt erträglich oder sogar Lustig wird – dann stimmt was nicht ..

      • sophiabambina
        4 Jahren ago

        Befürworte deine Meinung an sich eh, nur irgendwie überkommt einen am Wochenende auch mal das Verlangen neue Menschen in überfüllten Clubs zu sehen. Es ist ne Hassliebe… Aber Frühbar würd ich selber auch nicht gehen…

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